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Kinderarmut zerschlagen

Etwas früher und ein bisschen anders als sonst, startete gestern für unsere Fraktion und Vertreter*innen der Presse in Lichtenberg die Bezirksverordnetenversammlung. Mit einer Fotoaktion „Kinderarmut zerschlagen“ wurde symbolisch vom Fraktionsvorsitzenden Norman Wolf mit Unterstützung seiner Co-Vorsitzenden Kerstin Zimmer sowie dem Bezirksbürgermeister Michael Grunst, der Bezirksstadträtin der Abteilung Familie, Jugend, Gesundheit und Bürgerdienste, Katrin Framke, und unserer Verordneten Claudia Engelmann (fachpolitische Sprecherin für Jugend und Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses) sowie Ursula Beißig (fachpolitische Sprecherin für Kita) eine Mauer mit der Aufschrift „Kinderarmut“ eingerissen (siehe Fotos). Anschließend fand ein kurzes Pressegespräch statt, bevor es in die Max-Taut-Aula zur Sitzung ging, in welcher die Antwort des Bezirksamtes zu unserer ‚Großen Anfrage – Kinderarmut in Lichtenberg’ auf der Tagesordnung stand. 

Dazu äußert sich Claudia Engelmann in ihrem Redebeitrag wie folgt: 

„Das Ergebnis liegt uns nun allen vor. Es bleibt erschreckend und wir dürfen uns damit keinesfalls zufrieden geben. Zwar ist der prozentuale Anstieg der Kinder, die in Armut leben, gesunken, doch die tatsächliche Zahl steigt weiterhin. Verglichen mit dem Berliner Durchschnitt verzeichnen wir in unserem Bezirk doppelt so viele betroffene Kinder. Wenn 12 000 Kinder allein in Lichtenberg in Armut und gar 20 Prozent aller Kinder in Deutschland dauerhaft wiederkehrend in einer Notlage leben, dann läuft etwas gewaltig schief und wir alle sind aufgefordert, diese Fakten ernst zu nehmen und daran etwas zu ändern.“ 

Neben den zwei Hauptursachen für Kinderarmut – Einkommensverhältnisse der Eltern und Familienstatus – zeigt die Antwort des Bezirksamtes ein enormes Nord-Süd-Gefälle auf. Während in Gebieten von beispielsweise Wartenberg und Falkenberg fast jedes zweite Kind von Armut betroffen ist, sinken die Zahlen in Karlshorst und Rummelsburg weit unter den bezirklichen Durchschnitt. Die Ursachen müssen gefunden werden und gleichzeitig gilt es einer Gentrifizierung innerhalb Lichtenbergs entgegenzuwirken. 

In den letzten Jahren hat das Bezirksamt diesbezüglich schon viel geleistet. 14 Netzwerke zum Thema Kinder und Erziehung sind entstanden, Schul- und Kitaplätze wurden ausgebaut, Teilhabeprojekte für Kinder und Jugendliche eingeführt und Haushaltsposten erweitert. 

Dazu Claudia Engelmann weiter: 

„Wir müssen auf wirklich allen Ebenen das Bestmögliche tun und die uns zur Verfügung stehenden Handlungsspielräume ausloten, um wirksame und nachhaltige bezirkliche Strategien zur Armutsbekämpfung und -vermeidung einzufordern. Daher begrüßen wir ausdrücklich, dass unter der Federführung des Bezirksbürgermeisters eine Armutspräventionsstrategie für unseren Bezirk entwickelt wird und erste Inhalte bereits vorliegen.“

Prekäre Arbeitsbedingungen, Hartz IV, gesetzlicher Mindestlohn; dies sind nur einige Faktoren, die Einfluss auf Kinderarmut nehmen oder gar Ursache sind. Doch parteipolitische Machtspiele haben bei diesem Thema nichts zu suchen. Kinderarmut ist ein Zukunftsrisiko, ein gesamtgesellschaftliches Problem, eine Hürde, eine Mauer – welche nicht nur lokal fallen muss.

Ursula Beißig, Michael Grunst, Kerstin Zimmer, Katrin Framke, Norman Wolf und Claudia Engelmann (v.l.n.r.)
Ursula Beißig, Michael Grunst, Kerstin Zimmer, Katrin Framke, Norman Wolf und Claudia Engelmann (v.l.n.r.)