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Rede von Birgit Stenzel auf der 6. Sitzung in der VIII. Wahlperiode der BVV Lichtenberg

Birgit Stenzel, die Rednerin

Herr Vorsteher, sehr geehrte Damen und Herren,

Ich danke zunächst dem Bezirksamt für die Beantwortung der großen Anfrage der AfD.

Die Anfrage hat eine gewisse Verwunderung in unserer Fraktion ausgelöst, aber eigentlich auch nicht wirklich. Den Damen und Herren der AfD-Fraktion dürfte doch auch bekannt sein, wer in unserer Bundesrepublik für welche Fragen zuständig ist. Ich empfehle Ihnen daher, doch die entsprechenden Anfragen an die zuständigen Stellen zu richten.

Das Bezirksamt hat die Frage, für die es zuständig ist, korrekt und gut nachvollziehbar beantwortet. Auch diese Frage hätte sich bereits erübrigt. Sowohl in den vorangegangenen BVVen, als auch regelmäßig im Integrationsausschuss wurde berichtet, wie viele geflüchtete Menschen in welchen Unterkünften leben und wer die jeweiligen Betreiber sind.

Ich verrate hier auch kein Geheimnis, die Ausschusssitzungen sind immer öffentlich und die Protokolle mit den entsprechenden Angaben sind selbstverständlich immer veröffentlicht.

Aber, meine Damen und Herren, eigentlich bin ich Ihnen sogar ein bisschen dankbar für die Anfrage. Eröffnet es mir doch die Möglichkeit, daran zu erinnern, was wir in Lichtenberg in den letzten eineinhalb Jahren geschafft haben. Also, dem alten christlichen Grundsatz folgend "Tue Gutes und rede darüber". Ich erinnere mich noch gut an die turbulente Zeit seit dem Sommer 2015. Ja, es war eine schwierige Zeit, als hunderte, ja tausende Menschen, die vor Krieg und Not geflüchtet sind und gerade das nackte Leben gerettet haben, hier in Lichtenberg eintrafen. Ich denke auch an die Gespräche mit meiner 87 jährigen Mutter, die mich an ihre Fluchterfahrung als junges Mädchen 1945 erinnert hat. - Sie musste mit ihren 11 Geschwistern aus Ostpreußen fliehen.  Und immer wieder sagte sie mir: „Was wir erlebt haben, soll sich doch nicht wiederholen. Hilf bitte mit!"

Aber ich erinnere mich auch daran, dass innerhalb von Stunden Menschen, die sich vorher nicht kannten, eingefunden haben, um den Geflüchteten in den Unterkünften ein Dach über dem Kopf und ein Willkommen zu bieten.

Da lob ich mir durchaus schon mal die sozialen Medien wie Whats App und Facebook. Ich erinnere mich auch noch, wie viele von Ihnen hier im Saal, daran, wie wir im November 2015 die BVV sehr kurz gefasst haben, um gemeinsam die Notunterkunft in der Ruschestraße einzurichten. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal ein großen Dankeschön an alle Aktiven von „Lichtenberg hilft schnell“ übermitteln.

Ich erinnere mich auch noch gerne an die Begegnung mit Menschen aus Syrien, Afghanistan oder auch Eritrea und ich bin froh, dass Lichtenberg bis zu 6.000 geflüchteten Menschen eine neue Heimat anbietet. Ja, wir haben sehr viele Mühen der Berge zu überwinden gehabt, ja wir haben mit bürokratischen Hürden zu kämpfen gehabt und haben es noch immer , ja wir haben sehr viel Not und Elend zu sehen bekommen und erleben es noch immer. Aber vor allem bleiben die große Hilfsbereitschaft und Empathie ganz vieler Lichtenbergerinnen und Lichtenberger. Das macht unseren Bezirk aus. Unser Bezirk ist ein Ort der Vielfalt. Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste, ja in den letzten eineinhalb Jahren hatte ich einige schlaflose Nächte und - wie wir alle - relativ viel Stress. Aber es bleiben gute, neu entstandene Freundschaften. Ich möchte es nicht missen, dass ich Efraj aus Syrien, Haroun aus Afghanistan kennen und schätzen gelernt habe.

Sehr geehrte Damen und Herren, überlegen wir nur eine Sekunde einmal, wie Berlin ohne Zuwanderer aussehen würde. Man braucht kein Geschichtsprofessor zu sein, um zu wissen, dass Berlin eigentlich ein winziges Dorf im Sumpf war. Erst durch Kaufleute aus Flandern, Glaubensflüchtlingen aus Frankreich, jüdischen Bürgern, Einwanderern aus anderen deutschen Landesteilen, aus der Türkei, aus Rußland, aus Vietnam und, und.....; letztendlich aus aller Welt ist doch Berlin das geworden, was Berlin ist. Das gilt auch für unseren Bezirk. Die Mitglieder meiner Fraktion – und ich vermute ganz stark – nicht nur wir, sind durchaus stolz, in einem Bezirk zu leben, in dem Menschen aus 115 Nationen leben.

Sehr geehrte Damen und Herren, ich bin sicherlich keine politische Freundin unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel, aber in einem kann ich ihr nur zustimmen. „Ja, wir schaffen es“.

Auch, weil wir es schaffen wollen, weil wir wollen, dass Deutschland, Berlin und Lichtenberg gastfreundliche Orte sind, Orte, in dem Menschenrechte für alle gelten, Orte der Vielfalt.

Sehr geehrte Damen und Herren, gerade in der jetzt anstehenden Integration der geflüchteten Menschen, ja aller Zugewanderten haben wir noch viel zu tun. Ich denke hier an den neu zu berufenden Integrationsbeirat. Hier sollen auch die „Neuen“ Mitbürger*innen z.B. aus Syrien eine Stimme erhalten. Können wir Ihnen Demokratie erlebbar machen.

Es gibt noch viel zu tun bei der Integration in den Arbeitsmarkt, in das Wohnleben, also liebe Kolleginnen und Kollegen, meine Damen und Herren, packen wir`s einfach an, lassen Sie uns auch gemeinsam neue Menschen kennen lernen, das lohnt sich immer.

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