Anträge

Projekt Patengroßeltern in der Kinderarmutspräventionsstrategie etablieren

 

Das Bezirksamt wird ersucht, ein generationenübergreifendes Mentoring-Programm zu entwickeln und umzusetzen. Ziel ist es, das Konzept von Patengroßeltern in einen erweiterten Rahmen einzubetten, der sozial engagierte ältere Menschen als Mentor:innen, Bezugspersonen oder Alltagsbegleiter:innen für Kinder und Jugendliche und deren armutsbetroffene Familien gewinnt.
Die konkrete Konzeption und Umsetzung soll im Jugendamt, eingebettet in der Kinderarmutspräventionsstrategie, unter Beteiligung interessierter Zivilgesellschaft, Fachpraxis und Trägern erarbeitet werden. Ein digitales und analog zugängliches Vermittlungsportal soll Begegnungen ermöglichen und langfristige, freiwillige Bindungen fördern. 

Begründung:

Lichtenberg ist, wie viele Berliner Bezirke, von zwei parallelen demographischen Entwicklungen geprägt: Die Babyboomer-Jahrgänge gehen sukzessive in den Ruhestand und haben dank gestiegener Lebenserwartung und medizinischer Betreuung ein noch langes Leben zu erwarten. Zugleich sind viele durch einen dynamischen Arbeitsmarkt von ihren eigenen Kindern und Enkeln räumlich getrennt; 20 Prozent sind kinder- bzw. enkellos geblieben. Noch nie gab es also mehr freie Lebenszeit potenzieller Patengroßeltern zu vermitteln. Zum anderen wachsen die absoluten Zahlen von Kindern an, die (regional betrachtet) überdurchschnittlich in Armut leben, häufig im Verbund mit prekären Wohn- und Bildungschancen, eingeschränkten Ressourcen im familiären Umfeld und wenig Zugang zu stabilen Bindungspersonen außerhalb der eigenen Kernfamilie.

Gerade vor diesem Hintergrund kann eine generationenübergreifende Präventionsmaßnahme wie ein Patenprogramm wichtige Lücken in der sozialen Infrastruktur schließen. Im Sinne einer kommunalen Präventionskette wirkt sie dort, wo frühzeitige, niedrigschwellige und bindungsorientierte Unterstützung am meisten bewirken kann: in der Lebenswelt von Kindern, bevor Probleme sich verfestigen.

Mentor:innen aus der älteren Generation können für Kinder und Jugendliche emotionale Sicherheit, Aufmerksamkeit und Zugewandtheit bieten, sowie zusätzlich oft auch Zeit, Lebenserfahrung und praktische Unterstützung im Alltag. Die Ehrenamtsprojekte  - darunter die “Patengroßeltern” - die es punktuell im Bezirk schon gibt, zeigen, dass solche Beziehungen für beide Seiten bereichernd und stabilisierend sein können. Aufgrund der Förderkulisse sind die Angebote allerdings nur bei den Frühen Hilfen angesiedelt und die Patenprogramme enden nach dem dritten Lebensjahr der Kinder werden auf Spendenbasis auf kleiner Flamme weiterorganisiert. Die flexible Kinderbetreuung, die nur eine kurzfristige und punktuelle Entlastung vorsieht, wird sehr häufig von Alleinerziehenden zur langfristigen Unterstützung angefragt. Ein Patengroßelternprojekt für Kinder ab vier Jahren wäre auch zugunsten alleinerziehender Familienmodelle und nicht zuletzt ein präventiver Beitrag zum Kinderschutz.

Um das Potenzial solcher Bindungen flächendeckend zu nutzen, braucht es jedoch strukturelle Voraussetzungen: ein koordiniertes Konzept, geschulte Vermittlung, verlässliche professionelle Begleitung und einen niederschwelligen Zugang sowohl für interessierte Personen als auch für Fachkräfte, Einrichtungen und Familien.

Ein digitales und analog zugängliches Vermittlungsportal – beispielsweise in Kooperation mit Stadtteilzentren, Familienzentren oder Schulen – kann hier Abhilfe schaffen. Es kann nicht nur Kontakt ermöglichen, sondern auch für Qualitätssicherung, Fortbildung und langfristige Begleitung der Tandems sorgen.

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